Geschichte

Unsere Geschichte in Zeitzeugeninterviews

Unsere Chronik gibt es jetzt auch als Video :

Teil 1: Wie alles begann – die Geschichte der Stadtjugendkapelle Herzogenaurach

lassen Sie sich in die 1960er Jahre versetzen und erleben Sie mit den Zeitzeugen die Entstehung der Stadtjugendkapelle. Mit Originalfilmaufnahmen, Fotos und Erinnerungen derjenigen, die dabei waren.

Die Geschichte der Stadtjugendkapelle

Es ist der 13.März 1964. Für Fritz Bock erfüllt sich ein langgehegter Wunsch. Dem Aufruf des Kapellmeisters sind etwa 25 Schüler und Schülerinnen gefolgt, die in einem Jugendorchester mitwirken wollen. Im Hubmann Stüberl, dort, wo heute der Schalterraum der Raiffeisenkasse ist, trafen sich die Interessenten zum Vorgespräch. Dort wurde auch gleich die Einteilung der Blasinstrumente vorgenommen. Das Orchester war nach kurzer Zeit spielfähig – der erste Auftritt folgte schon bald am 8. September in Buch bei Weisendorf, drei Choräle waren das ganze Programm.

Im Dezember des gleichen Jahres wurde auf Wunsch der Jugendlichen zu einem Elternabend im Vereinshaus eingeladen, um alle Anwesenden von ihrem bisherigen Können zu überzeugen.

Am 4. April 1965, ca. ein Jahr nach Start des Orchesters wurde im Gasthaus zum Steigerwald zur geheimen Wahl einberufen. Der „Verein“ Stadtjugendkapelle Herzogenaurach wurde gegründet.

In den Anfangsjahren wurden bereits viele Ferien- und Konzertreisen veranstaltet. Die Zahl der aktiven Mitglieder stieg bis 1971 auf über 100. Das 5-jährige Jubiläum wurde 1969 schon groß gefeiert.

Die Begeisterung der Eltern und das gute Echo der Bevölkerung trugen zur guten Entwicklung der Stadtjugendkapelle bei, die Fritz Bock nach fünf Jahren auch als Trachtenkapelle vorstellte, aus der sich im Laufe der Jahre die “Goldene 17” als Stimmungs- und Schaukapelle heraus kristallisierte. Diese war unter seiner Leitung vor allem bei Volksfesten sehr gefragt.

Durch diese Entwicklung litt die Ausbildung der Stadtjugendkapelle erheblich. In den Jahren 1972/1973 ging es musikalisch abwärts, das Niveau ließ zu wünschen übrig. Nach angeregten Diskussionen brachten die Neuwahlen im Januar wesentliche Veränderungen in der Vereinsführung. Die neu gewählte Vorstandschaft musste unterstützt vom Bürgermeister der Stadt, Hans Ort, eine schwierige Zeit meistern und Veränderungen durchsetzen. Die Satzung wurde geändert, der Bürgermeister bekam automatisch Stimmrecht in der Stadtjugendkapelle und jeder Bürger der Stadt konnte jetzt Mitglied werden, auch wenn er keinen Jugendlichen zur Ausbildung im Orchester hatte.

Fritz Bock trennte sich im Dezember 1973 aufgrund der Veränderungen von der Stadtjugendkapelle und gründete im Januar 1974 in Münchaurach eine Jugendkapelle. Mit ihm verließen 65 junge und 30 erwachsene Musiker die Stadtjugendkapelle.

Anfang 1974 verpflichtet die Stadtjugendkapelle Fritz Mensching, bisher Arrangeur beim Studio Nürnberg des Bayerischen Rundfunks, als neuen musikalischen Leiter. “Der Bestand und die weitere Existenz der Stadtjugendkapelle sind gesichert” so der damalige Bürgermeister Hans Ort. Das 10-jährige Jubiläum wurde kurzerhand auf 1975 verschoben, 10 Jahre nach der Vereinsgründung.

Unter der Stabführung von Fritz Mensching wurden neue Impulse, vor allem im Bereich der konzertanten Blasmusik gesetzt. Damit wurde ein neuer Ausbildungsstil angestrebt, der auch von weiten Teilen der Bevölkerung gewünscht wurde.

Der Wiederaufbau der Kapelle macht rasche Fortschritte, innerhalb weniger Monate konnten viele Jugendliche neu gewonnen werden. Professioneller Unterricht und regelmäßige Proben erlaubten schon nach kurzer Zeit die Teilnahme an Wertungsspielen. Der Qualitätsanspruch und die gute Ausbildung wurden vorbehaltlos von der Vorstandschaft unterstützt. Wertungsspiele, Auftritte und Konzerte waren von hoher Qualität.

1984 wurden unter der Leitung von Präsident Hans Wormser die alten Uniformen ausrangiert und die Stadtjugendkapelle bekam ihre jetzigen Uniformen, mit neuen Hosen, Westen und Jacken.

1997 übergab Fritz Mensching den Taktstock an seinen Nachfolger Norbert Engelmann. Dieser hatte von Anfang an klare Vorstellungen, was aus dem Verein werden kann und arbeitete mit Entschlossenheit, Know-How und Tatkraft an der Fortführung und Erweiterung der Stadtjugendkapelle. Im Laufe der Zeit setzte er viele Akzente mit eigenen Arrangements. Mit der Einführung der musikalischen Früherziehung und der Gründung der Seniorband machte er musikalische Bildung allen Altersstufen zugänglich.

Bis 2002 wurde zuletzt in den Räumen der Kellergasse geprobt. Diese wurden aber aufgrund der immer steigenden Ausbildungszahlen dann doch langsam zu eng. Der Neubau eines Vereinsheimes wurde in Angriff genommen. Als neuer Standort wurde das Gelände der ehemaligen Kläranlage festgelegt. Im Juli erfolgte der Spatenstich für den Bau des dringend benötigten Vereinsheims. 224 Freunde der Stadtjugendkapelle halfen mit. Nach 2200 freiwilligen Arbeitsstunden fand das Richtfest unter der Führung von Präsident Bernhard Schwab statt.

Ab 2002 wurden die Frühjahrskonzerte der Stadtjugendkapelle immer aufwändiger und auch Showteile wurden integriert. Schnell konnte die Turnhalle der Mittelschule die ansteigende Zuschauerzahl nicht mehr fassen und auch das Ambiente wurde den Konzerten nicht gerecht. Norbert Engelmann war es zu verdanken, dass die Stadtjugendkapelle mit dem Frühjahrskonzert im Jahr 2011 das erste Mal in die Heinrich-Lades-Halle nach Erlangen zog. Das Novum kam an: mit rund 800 Besuchern war die Halle fast voll besetzt. Von da an wurden die folgenden Frühjahrskonzerte in Erlangen veranstaltet und die Möglichkeiten des sinfonischen Blasorchesters voll ausgereizt. Die Auftritte werden mit Chören, Tänzern, Showgruppen und Performance-Einlagen ergänzt und immer noch weiter entwickelt.

Das erste Open-Air-Konzert “Musik an einem Sommerabend” wurde im Sommer 2012 auf dem Vereinsgelände aufgeführt. Norbert Engelmann hatte bewusst auf Bestuhlung verzichtet und so kamen die Zuschauer mit Campingstühlen, Decken und Picknickkörben. Seit dem hat sich das Sommer Open-Air zu einer jährlichen Tradition entwickelt.

Im Jahr 2015 feierte die Stadtjugendkapelle ihr 50-jähriges Bestehen. Im ganzen Jahr kam es zu besonderen Höhepunkten: Neben einem musikalischen Rückblick beim Frühjahrskonzert wurde auch ein Wertungsspiel in Herzogenaurach durchgeführt. Das sinfonische Blasorchester Mittelfranken führte sein Gastkonzert anlässlich des runden Geburtstags der Stadtjugendkapelle in Herzogenaurach auf und natürlich durfte auch ein großer Festkommers nicht fehlen. Die Uraufführung des Weihnachts-Cantoriums „Adveniamus“ von Norbert Engelmann und Pfarrer Helmut Hetzel ließen sich viele Herzogenauracher nicht entgehen und erlebten in der vollbesetzten Stadtpfarrkirche St. Magdalena eine rundum gelungene Aufführung.

Die folgenden Jahre waren für das Präsidium der Stadtjugendkapelle schwierig, da immer mehr Positionen nicht besetzt werden konnten. Nach der Jahreshauptversammlung 2017 blieben trotz aller Appelle des Bürgermeisters German Hacker das Amt des Präsidenten, des zweiten Schatzmeisters und des Pressewarts unbesetzt. Die Mehrarbeit war für die verbliebenen Präsidiumsmitglieder um Vizepräsident Peter Persin kaum zu stemmen. Erst mit der Neuwahl 2018 konnte das Präsidium wieder vollständig besetzt werden. Dabei wurden vier Mitspieler der Bläserphilharmonie in Vorstandspositionen gewählt. Auch im neugewählten Präsidium 2021 sind viele aktive Musiker vertreten.

Pandemiebedingt konnten in den Jahren 2020 und 2021 kein Frühjahrskonzert, kein Altstadtfest, keine Kirchweih stattfinden – doch mit viel Erfindungsgeist fanden sich Wege, die Musik am Laufen zu halten. Kleine und große Videoprojekte (Klingender Adventskalender der  Stadtjugendkapelle) und Zusammenschnitte von Einzelaufnahmen als Cyberorchester (Playlist der SJK) machten es möglich.

Im Sommer 2021 ging dann eine Ära zu Ende – Norbert Engelmann übergab nach fast 25 Jahren die musikalische Leitung der Bläserphilharmonie an seinen Nachfolger Björn Schnee, bleibt der Stadtjugendkapelle aber als Dirigent der Seniorband und des Start-Up-Orchesters erhalten.